Kooperationsbeispiel: Einsatz sozialer und mobiler Technologien zur Prävention von Jugendarbeitslosigkeit

Problemstellung

Jugendarbeitslosigkeit stellt in Europa eines der drängendsten sozialen Probleme dar. In vielen südeuropäischen Ländern liegen die Jugendarbeitslosenquoten derzeit bei mehr als 50 %; aber auch in deutschen Städten wie Berlin sind zahlreiche junge Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen. Für die Generation der heutigen Jugendlichen hat dies schwerwiegende Konsequenzen: Millionen von Jugendlichen fehlt eine berufliche und soziale Perspektive. Und auch die Gesellschaft als Ganze stellt dies vor große Herausforderungen. Nicht zuletzt belastet Jugendarbeitslosigkeit den Staat finanziell in Milliardenhöhe. Wesentlicher Teil des Problems ist, dass es für Jugendliche gerade im Übergang von Schule zu Ausbildung bzw. Beruf an innovativen Lösungskonzepten mangelt, die der Lebensrealität der Jugendlichen gerecht werden. So sind viele Jugendliche bei der beruflichen Orientierung überfordert, orientierungslos oder können oft nicht motiviert werden. Dabei ist gerade ein erfolgreicher Übergang von Schule in Ausbildung bzw. Beruf ein zentraler Faktor für die Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit. Es stellt sich daher die Frage, ob und wie moderne mobile Technologien und soziale Medien effektiv und erfolgreich eingesetzt werden können, Jugendliche in dieser Phase besser zu unterstützen.

Forschung
Aus diesem Grund wird in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit untersucht, wie Jugendliche in mobilen sozialen Peer-Gruppen – sogenannten Job Finding-Communities – im Rahmen der Ausbildungs- und Berufsberatung besser unterstützt werden können. Ziel der Job Finding-Communities ist es, Jugendliche unabhängig von Zeit und Ort in Peer-Gruppen sowie mittels sozialer Medien Hilfe bei Berufsorientierung, Ausbildungsplatz- und Berufswahl sowie Bewerbung zu bieten. Grundlegende These hierbei ist, dass die Möglichkeit der Lösung des Bildungsproblems eines Jugendlichen in der Peer-Gruppe (hier: 12–-15 Jugendliche in der gleichen Lebensphase) über Kanäle der Jugendlichen (hier: soziale Medien) ergänzend zum herkömmlichen Beratungsangebot zu besseren Ergebnissen führt als die bisherige stark auf 1:1-Gespräche mit BerufsberaterInnen in den örtlichen Agenturen für Arbeit ausgerichtete Beratung.
Theoretische Grundlagen für den neuen Ansatz bilden wissenschaftliche Erkenntnisse zu Offline- und Online-Peer-Gruppen. Studien belegen bspw., dass Online-Peer-Gruppen positive Effekte auf emotionale Verfassung, Informationsstand, Selbstvertrauen und berufliche Leistung haben. Offline wurden auch im Kontext von Arbeitslosigkeit bereits erste positive Effekte für den Einsatz von Peer-Gruppen nachgewiesen. So stellen sich bei Jugendlichen in der Phase der Berufsorientierung vor allem durch emotionale Unterstützung Erfolge im kreativen und selbstständigen Arbeiten ein. Methodisch ist das Forschungsvorhaben dem gestaltungsorientierten Forschungsparadigma (Design Science) zuzuordnen. Im Fokus steht die Entwicklung, praktische Demonstration und Evaluation der Job Finding-Communities als IT-Artefakt in Form einer neuen Methode der Ausbildungs- und Berufsberatung. Demonstration und Evaluation des Ansatzes erfolgen mittels eines kontrollierten Feldexperiments im Vergleich zum bisherigen Angebot („competing artifact“). In diesem Zuge wurden die Job Finding-Communities im Rahmen eines Modellversuchs zunächst auf Basis von WhatsApp umgesetzt und zusammen mit sieben BerufsberaterInnen in drei Agenturen für Arbeit pilotiert. Dabei betreute jede/r BerufsberaterIn jeweils etwa 12-–15 Jugendliche in einer Job Finding-Community sowie unabhängig davon auch eine gewisse Anzahl Jugendlicher der Kontrollgruppe in der herkömmlichen Beratung. Insgesamt nahmen 119 Jugendliche teil (davon bei zufallsbasierter Zuteilung 70 in den Job Finding- Communities und 49 in der Kontrollgruppe). Die BerufsberaterInnen stellten kompetente Hilfe in den Job Finding-Communities sicher und achteten darauf, dass niemand „gemobbt“ oder ausgeschlossen wurde.
 

Fallstudie Klier